Einige Dinge laufen in Frankreich anders als in Deutschland – was ja den Charme beim Besuch eines anderen Landes ausmacht. Hier folgen in lockeren Abständen und alphabetisch sortiert Tipps für Neulinge und alte Hasen. Allerdings geht es bei allen Infos um den Südwesten Frankreichs – in Paris ist bestimmt alles ganz anders.
Eine Garantie für die Richtigkeit in allen Lebenslagen gebe ich natürlich nicht!
- Alkoholausschank
- Arztbesuch
- Badekleidung
- Bezahlen
- Dampfbad
- Essenszeiten
- Flaschenpfand
- Gambas
- Jakobsmuscheln
- Kasse im Supermarkt
- Menus
- Restaurants
- Sangria
- Sauna
- Straßenverkehr
- Taxi
- Toiletten
- Trinkgeld
- Vorfahrt
Alkoholausschank: Hier gilt eine ganz andere Rechtslage als in Deutschland. Es gibt verschiedene Ausschanklizenzen, sogenannte Bars dürfen ganz allgemein Alkohol ausschenken auch wenn man nichts dort isst. Brasserien haben oft eine Lizenz, mit der sie nur Bier und Wein ohne gleichzeitigen Speisenverzehr ausschenken dürfen – aber keinen “harten” Alkohol. Und sehr viele Restaurants haben eine Lizenz, die es ihnen nur erlaubt, zu einer kompletten Mahlzeit Alkohol auszuschenken – das ist dann also kein böser Wille und keine “Erpressung” wenn man ohne Essen nichts bekommt, sondern es ist ihnen verboten. Und oft wacht die Konkurrenz nebenan mit Argusaugen, dass das Verbot nicht umgangen wird. Es gibt nämlich nur eine bestimmte Anzahl von den Alkohollizenzen in Frankreich und neue dürfen nicht erschaffen werden. Das heißt: Eine solche Lizenz ist je nach Lage unwahrscheinlich teuer. An der Außenfassade muss sich ein Schildchen befinden, auf dem die Kategorie der Lizenz angegeben ist: 1 = Getränke ohne Alkohol, 2 = fermentierte Getränke, Wein, Cidre, 3= Süßwein, Likörwein bis höchstens 18%, 4 = alle alkoholhaltigen Getränke wie Whisky, Pastis, Gin etc. – ziemlich kompliziert das ganze…
Arztbesuch: Falls ein solcher nötig sein sollte, erwartet einen nicht eine Hausarztpraxis, die mit allem möglichen teuren Gerät ausgestattet ist – das ja amortisiert werden muss – wie man sie in deutschen Städten meist vorfindet. Hier hat der Hausarzt ein Behandlungszimmer und ein Wartezimmer – und Schluss. Für weiterreichende Behandlungen wird man falls nötig entweder zum Facharzt, Krankenhaus, Labor oder Radiologen geschickt. Uns sagt dieses System sehr zu und wir schwören auf die französischen Ärzte. Medikamente sind meist billiger als in Deutschland und ob man beim Facharzt schnell einen Termin bekommt, hängt von der Dringlichkeit des Falls ab und nicht von der Kassenzugehörigkeit.
Badekleidung: In allen Restaurants, Bistrots und Geschäften, die sich nicht direkt auf dem Strand befinden, ist es verpönt, in Badehose oder Badeanzug zu erscheinen und zeugt von ziemlich schlechten Manieren.
Bezahlen: In fast allen Geschäften mit Stromanschluss kann man – manchmal ab einem Mindestbetrag – mit Kreditkarte zahlen und mit Bargeld sowieso. Kellner oder Verkäufer verschwinden nicht mit der Kreditkarte – das funktioniert praktisch immer vor den Augen des Kunden.
Dampfbad: In öffentlichen Dampfbädern oder Hammams behält man die Badebekleidung an.
Essenszeiten: Mittags öffnen / servieren die meisten Restaurants zwischen 12 und 14 Uhr. Abends isst man hier im Südwesten etwas später als in Deutschland, im Sommer öffnen die meisten Restaurants erst gegen 19 Uhr 30. Um 18 Uhr fällt es also schwer, irgendwo richtig zu essen. Gerade hier stecken die Restaurants in einer Zwickmühle: Die deutschen Gäste würden oft gerne um 18 Uhr essen, die Spanier aber frühestens ab 21 Uhr. Allein schon vom Personal her kann es sich kaum jemand leisten, von 18 bis 22 Uhr warme Küche anzubieten – daher sollte man es nicht vor 19 Uhr versuchen. Fastfood und ähnliches bekommt man aber meist durchgehend, wenn man so etwas runter kriegt. Französische Restaurants sind fast immer außerhalb der Essenszeiten geschlossen, da es ihnen wegen der Ausschanklizenzen meist nicht möglich ist, zwischendrin zum Beispiel ein Bierchen oder ein Glas Wein zu servieren.
Flaschenpfand: Gibt es in Frankreich nicht – nur teilweise für Restaurants, Bistros und Bars. Deswegen verkaufen die einzelne alkoholfreie Getränke in Glasflaschen ungern zum Mitnehmen.
Gambas: Werden sehr selten frisch verkauft. Daher sind praktisch alle auf den Speisekarten stehenden oder im Fischladen liegenden Gambas oder Crevetten vorher tiefgefroren. Deswegen sind sie aber geschmacklich nicht schlecht.
Jakobsmuscheln (Saint-Jacques): Sind tiefgefroren extrem viel billiger als frisch. Wenn sie im einen Restaurant teuer sind und daneben die Hälfte kosten, ist das also kein Wucher, sondern meistens bessere Qualität – frisch schmecken sie besser und kommen aus der Nähe und nicht aus entfernten Weltregionen.
Kasse im Geschäft: Hier hat man Geduld. Wenn jemand ein Schwätzchen hält, ältere Leute langsamer sind – dann macht man all das nicht, was in Deutschland üblich ist: Genervt stöhnen, mit den Augen rollen, Rummeckern. Man wartet statt dessen geduldig bis man dran ist und freut sich des Lebens – erfahrungsgemäß eine harte Probe für viele Deutsche.
Menus: Die günstigste Lösung in Frankreich im Restaurant sind normalerweise Menus, die aus mindestens zwei bis drei Gängen bestehen. Mittags an Werktagen gibt es meist das preiswerteste Menu. Momentan liegen die Preise dabei zwischen 12 und 15 Euro für (oft) gute Qualität. Häufig gibt es mittags auch den Plat du jour, also ein günstiges Tagesgericht. Die Portionen bei einem Menu sind etwas kleiner als die Portionen auf der Speisekarte – trotzdem wird man satt, keine Panik.
Restaurants: Ein unendliches Diskussionsfeld. Wie in Deutschland auch gibt es gute und schlechte Lokale. Wie kann man es vermeiden, total auf die Nase zu fallen? Ein relativ sicheres Zeichen für gutes Essen sind viele Autos von Einheimischen auf dem Parkplatz. Oder Mittags viele Handwerkerautos und auch LKW. Eine endlose Speisekarte ist – auch in Deutschland – immer ein schlechtes Zeichen. Der äußere Eindruck kann gewaltig täuschen – leider darf man darauf gar nichts geben. “Innere Werte” wie die Sauberkeit der Toiletten lassen da schon genauere Schlüsse zu – jedenfalls was die Sauberkeit des gesamten Etablissements betrifft. Wobei leider oft Toiletten mit deutschen Standards nicht zu vergleichen sind.
In unbekannten Gegenden ist für uns ein Gastronomieführer oft die Rettung, denn wer will schon unzufrieden aus einem Restaurant herauskommen. Unser Liebling ist der Bottin Gourmand oder auch der bekannte Guide du Routard. Die sind aber beide auf Französisch. Bei Michelin findet man etwas auf Deutsch für unsere Gegend. Demnächst mehr dazu.
In Frankreich ist es ganz und gar unüblich, getrennt zu bezahlen und die Rechnerei dem Kellner zu überlassen. Im Zweifelsfall zahlt einer für alle und man rechnet das hinterher untereinander aus und ab. Trotzdem freut sich das bedienende Personal über ein Trinkgeld – sofern man mit dem Service zufrieden war. Auch in Frankreich liegen in der Gastronomie im Allgemeinen die Gehälter auf niedrigem Niveau – obwohl die Arbeitszeiten lang sind und der Job sehr anstrengt.
Sangria: Laut Hygienevorschriften darf man keine Früchte marinieren lassen, auch nicht in Wein. Das heißt: Jeder Sangria im Restaurant oder Bistro wird “fertig” gekauft und je nach Ambition des Chefs noch verbessert (durch Alkohol, kurz hinzugefügte Früchte, Gewürze etc.)
Sauna: In öffentlichen Saunen behält man die Badebekleidung an.
Straßenverkehr: Ähnlich stressig wie überall. Gehupt wird allerdings sehr selten, nur in echten Notfällen bzw Gefahrensituationen. Ich habe sogar schon erlebt, dass eine ganze Grünphase an der Ampel vorüberging, ohne dass der verträumte Fahrer durch Hupen geweckt worden wäre. Handys am Steuer sind verboten, aber viele Leute halten sich nicht daran. Vorsicht in Kurven – gerne kommt einem ein Auto mitten auf der Straße entgegen. Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung schmerzen jedoch im Geldbeutel weitaus mehr als in Deutschland, wenn man erwischt und angehalten wird. Die kostenpflichtigen Autobahnen garantieren aber meist (außerhalb der Reise-Wochenenden im Juli und August) eine recht stressfreie Fahrt.
Taxi: Genauso wenig, wie man im Restaurant getrennt zahlt, setzt man sich im Taxi vorne auf den Beifahrersitz. Meist befindet sich dort auch das halbe Wohnzimmer des Fahrers.
Toiletten: Leider in Frankreich häufig ein Trauerspiel – gerade in Bistrots, manchen Restaurants und sogar auf Autobahnraststätten. Eine Toilette für (viele) Männlein und Weiblein ist keine Seltenheit. Oft sind die Toiletten so dunkel gestrichen/gekachelt, dass man sich fragt, was man hier unter einer trüben Funzel besser nicht sehen soll. Neue Autobahnraststätten bauen Toiletten ohne Klobrillen – hm, na ja. In den Hotels sind die Örtlichkeiten aber meistens in Ordnung. – Wer ein Restaurant oder Bistrot nur aufsucht, um die Toiletten zu benutzen, macht sich (zu Recht) unbeliebt. Man trinkt zumindest eine Kleinigkeit.
Trinkgeld: Viele Berufsgruppen im Dienstleistungsgewerbe bestreiten einen nicht geringen Teil ihres Einkommens über das Trinkgeld – ob Kellner, Taxifahrer, Handwerker oder Servicepersonal im Hotel und anderswo. Je nach Zufriedenheit, Arbeitsaufwand und Rechnungsbetrag lässt man dann 3 bis 10 Prozent Trinkgeld. Wenn ich überhaupt nicht zufrieden war mit der Dienstleistung, lasse ich auch mal gar nichts. Meistens sind aber die Leute so freundlich und hilfsbereit, dass das selten vorkommt. Nicht vergessen: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.
Vorfahrt: Oft hat man in Ortschaften nicht die Vorfahrt, obwohl man auf der größeren Straße ist – da gilt rechts vor links. Dass die Straße von rechts keine Vorfahrt hat erkennt man an einem dicken weiß aufgemalten Balken, der die von dort kommenden Autos stoppt.